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Aus dem Leben einer ER-6


Gestatten - mein Name ist E R N I.
Ich wurde am 04.04.2008 geboren und bin bislang 7.900 km in der Welt umher gefahren.

Ich muss Euch sagen das Yussi eine super Mami ist, denn sie hat mich vor dem Abdecker, dem Schlachthof, gerettet. Alles stand auf Messer´s Schneide. Yussi erzählte mir, das es Liebe auf den 2. Blick war. Sie hatte mich zwar 1 Monat vorher bereits auf einer großen Motorradverkaufsplattform gesehen und registriert, aber weil ich so fertig aussah, übersprang sie mich und fixierte sich auf ein gelbes 2006-er Kerlchen aus München. Der Verkäufer wollte aber erst einmal in den Urlaub fahren und 1 Woche Wartezeit verging. Die Woche war rum und der gelbe Zwerg verkauft. Also ging das Suchen weiter und sie rief mich auf ihrem Netbook wieder auf. Juchu - sie hat sich auf mich fixiert!

Erste Telefonate mit dem Verkäufer wurden geführt, der so gar nicht den Anschein hatte, als das er mich verkaufen wollte. Ihr könnt Euch das sicher vorstellen: Auf der einen Seite Yussi - die, wenn sie sich mal entschieden hat, alles sofort haben will, auf der anderen Seite der langatmige Verkäufer, der eigentlich keine Ahnung von Motorrädern hatte, weil er Autoexporteur war. Zum Stirn runzeln. Dann noch die schlechte Nachricht, dass ich kein Leben mehr in mir hatte. Aber Yussi ließ nicht locker und wollte mich trotzdem sehen.
Nach vielen Emails und etlichen Telefonaten kam dann am 01.07.2011 endlich der ersehnte große Tag!

Unser erstes Date! So muss das wohl auch auf den Single-Plattformen abgehen. Da sah ich Yussi zum ersten Mal. Ich versuchte mich von meiner besten Seite zu zeigen, und das war mein Popo. Damit, sagte man mir, könnte ich glänzen. Frauen stehen auf geile Ärsche! Glück gehabt, denn mein Hintern war nämlich so ziemlich das einzige unversehrte Teil. Im Gegensatz zu meinem Bauch und dem Rücken. Laufen konnte ich auch nicht mehr. Und atmen und schnauben schon gar nicht. Und trotzdem wollte sie mich sehen. Ihre ersten Eindrücke waren Lächeln, Lächeln, noch mehr Lächeln und ich glaube sie hatte sich schon ein wenig in mich verguckt. Zuerst wurden meine Beinchen getestet, ob sie noch gerade sind und ich schön mit Ihnen wippen kann. Danach wurden meine Innereien so gut es ging, begutachtet. Auf meinen Hintern hatte Yussi übrigens zuerst gesehen - also hatten meine Kumpels doch recht gehabt! Nun sollte es darum gehen, mich zu starten. Ich zog ganz viel Luft ein und trank noch einen Riesenschluck von dem durchsichtigen Zeug. Der Starterknopf meldete sich just in time bei mir - er konnte mit nur noch einem Kabel keinen Kontakt zu mir herstellen. Sekundengleich mit dem Drücken des Starterknopfes durch Kai, versuchte ich meinem kleinen Herzchen Leben einzuhauchen. Ich gab alles - pffffffff, brrrrrrrrrrrrr, nix ging ... War dass das K.O.-Kriterium?

Schraubenschlüssel und anderes Werkzeug fuchtelten wie wild an mir herum. Was ging da ab? Ich sah nichts, denn meine Augen waren immer noch vom Unfall geschwollen. Oh - mein Bauch wurde demontiert und man untersuchte die Bauch-Pumpe auf Lebenszeichen mittels Kabel unter Zuhilfenahme der Batterie. Alle waren sich einig, die Pumpe funktioniert. Ratz fatz war der Bauch wieder montiert. Es wurde sich wieder auf den Starter konzentriert. Aber wie sollte ich den Beiden klar machen, dass dieser defekt ist? Hätten sie ja eigentlich sehen müssen, er war ja in 2 Teile gebrochen. Aber was war das? Aus den geschwollenen Augenwinkeln konnte ich in Kai´s Händen einen neuen Starterknopf mit Kabel sehen. Wo war der her? Kai murmelte etwas von Yussi´s 2010-er ER6-n. Mein Herz hüpfte wie verrückt.

Los, los, schließ schon endlich das Teil an, Kai. Klick, klack, die Startereinheit ist ausgetauscht. Brrrrrrrr... Brumm, ich musste zweimal kurz pupen (war mir das peinlich) und ... ich lief.
Auf einmal ging alles ganz schnell. Werkzeug wurde zusammengepackt, der Wagen mit dem Motorrad-Anhänger vorgefahren und ich wurde freigekauft. Was für ein Tag! Ich könnte die Welt umarmen. Nach 4 Stunden Fahrt bin ich in meinem neuen Zuhause angekommen. Das Garagentor ging hoch - uih - vier neue Freunde und 1 Klapprad standen Spalier und begrüßten mich. Abends durften wir alle Party machen und nach vielem Erzählen schlief ich tief und fest ein.

Die Tage und Wochen darauf, durchlief ich verschiedene Veränderungen und es gab sogar ein Anti-Aging-Programm. Die anderen meinten das sei normal im Hause Kawa-saki. Meine Vorderbeine waren beim Schönheitschirurg Dr. Bertram. Der Stopper und die Stopperpumpe wurden durch ein Modell einer erwachsenen Nina, äh ... Ninja, verändert. Ein neues Kleid erhielt ich auch. Die Farben durfte ich selbst wählen, und orientierte mich am größten Motorrad in der Garage, der ZX10R. Ist doch klar, oder? Neonfarbend wollte ich werden! Yippieh!
Yussi und Kai zogen mich unter tagelanger Arbeit an. Zwar nicht perfekt - aber wer will das schon. Dafür habe ich jetzt auch ein paar Pubertätspickel mehr - macht nix - sieht man nur von ganz nah. Der neue Bauch wurde aus Österreich eingeflogen. Mein französischer Hintern wurde gestrafft und angehoben (obwohl ich den alten für perfekt und ausreichend fand) und meine Augen mit einer coolen, weißen Brille bedeckt. Meine Befehle erhalte ich von einem Z750 Lenker. Abspecken durfte ich auch. Fußrastenplatten wurden abgesägt, es gab eine Fettabsaugung und alles Überflüssige an Kilos wurde entfernt. Damit mein Hintern sich nicht so unkontrolliert bewegt hat mir meine Mama ein Teil mit so einem Ausgleichsbehälter bestellt. Es soll demnächst wenn es geliefert wird, eingebaut werden - immer dieser Freizeitstress! Ich möchte doch viel lieber Zeit mit meiner hübschen Freundin verbringen. Sie heißt "Porter", ist ein rassiger dunkler Hauttyp, 2 Jahre älter als ich und auch eine ER6.

Ich bin zwar noch etwas schüchtern und zurückhaltend, da ich, soweit ich mich zurückerinnere, mein Leben auf der Landstraße und der Autobahn verbrachte. Aber ich taue langsam auf - alles in allem bin ich ein leuchtendes, quirliges Kerlchen geworden. Wenn ihr mich mal irgendwo seht, dann winkt einmal, denn ich bin´s, der ERNI!