Mini Twin Cup LSR 2011
Seriensport/Mini Twin Cup, 25.Juni 2011 auf dem Lausitzring
Da ich am 2. Seriensport-Lauf nicht teilnehmen konnte, wollte ich natürlich auf dem Lausitzring ein gutes Resultat erzielen, um bei den Mini-Twins weiterhin mitzumischen.
Im Gegensatz zu Schleiz haben wir 2 Veränderungen an der ER6 vorgenommen. Zum Einen wurde die Fußrastenanlage noch einmal in ihrer Position überarbeitet um einen angenehmeren Kniewinkel zu erhalten und zum Anderen stand uns nun ein neues Kettenrad zur Verfügung, welches wir in Schleiz leider noch nicht hatten und dort viel zu lang übersetzten.
Beide Veränderungen machten sich sofort bemerkbar. Die Sitzposition ist viel angenehmer. Durch das Kettenrad war in jedem Drehzahlbereich genügend Durchzug vorhanden.
Beide Dauerprüfungen verliefen ohne Vorkommnisse und so stand dem Rennen am späten Nachmittag nichts mehr im Weg.
Ich startete von Position 13 und kam beim Start relativ gut weg. In der ersten Kurve wurde es jedoch so eng, das ich vom Gas musste und sofort 2 Plätze verlor.
Das war so natürlich nicht geplant, hatte ich mir doch vorgenommen an Jochen #588, der beim Start direkt vor mir stand, dran zu bleiben.
Wir beide hatten schon in der 2. Dauerprüfung denselben Speed und das versprach im Rennen spannend zu werden.
Aber Jochen war erst einmal weg und ich im Getümmel. Nach einigen Runden lichtete sich das Feld und ich sah vor mir eine schwarz-gelbe Axo-Kombi, in der Jochen auf seiner SV steckte. Sofort war ich vom Ehrgeiz besessen. Erstmal ran fahren und sehen, ob da was geht. Das klappt natürlich nicht so einfach, haben wir doch alle die gleiche Leistung.
Jochen lief dann auf Uwe #593 auf, der an diesem Wochenende mit dem Läusel nicht gut Freund war. Das war meine Chance! Kurz darauf waren wir im Dreikampf. Jeder hoffte nun auf den Fehler des anderen, oder suchte nach einer Stelle, an der man besser als sein Vordermann war, um vorbei zu fahren. Jochen nutzte seine erste Gelegenheit sofort und zog an Uwe vorbei.
Nun lag ich im Klinsch mit Uwe. Der lange, dünne Kerl machte sich auf einmal ganz schön breit. Doch irgendwann bot sich die passende Gelegenheit und ich konnte vorbei ziehen.
Jochen war weg und von hinten drückte Uwe, der sich natürlich nicht geschlagen gab. Hinter Uwe befand sich noch die #527, ein KTM´ler.
Diesen hatte ich gar nicht auf dem Papier, als er beim Anbremsen der Schikane nach der Gegengerade innen durchhuschte.
Ich habe geflucht wie ein Rohrspatz, war das doch nicht meine Lieblingskurve.
In der darauf folgenden langen Linkskurve war ich bereits wieder dran und konnte ihn am Kurvenausgang ausbeschleunigen.
Dieses Spielchen setzte sich über einige Runden fort. Es war ein geiler Fight. Einmal ich vorne, einmal er und dahinter unser Uwe in Lauerstellung.
Drei Runden vor Rennende rechnete ich auf der Gegengerade wieder mit seinem Angriff.
Plötzlich ein lauter Knall und die Erna heulte aus vollen Zügen. Mein erster Gedanke war: Schitt, jetzt hast du den Auspuff verloren. Was tun? Ich entschloss mich weiter zu fahren, da alles soweit funktionierte und sah keinen Grund, nicht weiter zu kämpfen.
Zu meiner Verwunderung blieb der Angriff der KTM aus. Ob das heftige Brüllen der kleinen Erna dem Kürbisfahrer wohl so einen Schrecken versetzt hat, das er sich in dieser Runde nicht traute eine Attacke zu reiten?
In der nächsten Runde sah ich, was passiert war. Auf Hälfte der Gegengerade sah es aus als hätte es heftig geschneit. Wir waren zwar im tiefsten Osten - doch selbst hier schneit es nicht im Juni J
Es war meine Auspuff-Füllwatte, die sich dort auf einigen hundert Metern verteilt hatte. Das erklärt auch den Nicht-Angriff des KTM´lers.
Sicherlich hatte dieser genug mit der weißen Watte-Wand zu tun gehabt und sah aus wie ein Schneemann ;-)
Meine Ohren trillerten wie wild und ich sehnte das Rennende herbei. Die volle Leistung hatte ich oben heraus nun auch verloren.
Es ging zum letzten Mal über die Ziellinie und ich war immer noch vor der KTM und Uwe.
Nun hieß es sich breit zu machen und alles daran zu setzen die beiden in Schach zu halten.
In der Apcoa-Kurve spürte ich förmlich den Atem der beiden im Nacken. Ich zog so früh es ging, das Gas voll auf.
Da sah ich das gelbe Warnlicht blinken und die Streckenposten schwenkten ihre gelben Fahnen. Ich reduzierte sofort die Geschwindigkeit und verließ meine Race-Position, da sich in der Anbremszone der nächsten Linkskurve ein Unfall ereignet hatte.
Was nun folgte war mehr als unsportlich. Die KTM #527 überholte mich unter Gelb. Ich konnte es gar nicht fassen.
Ist doch das Überholen unter Gelb verboten. Erst dachte ich, er hatte es zu spät gesehen und nicht rechtzeitig geschafft zu bremsen und zog deshalb an mir vorbei.
Doch weit gefehlt! Statt mich wieder vorbei zu lassen, blieb er die letzten 3 Kurven vor mir und fuhr über die Ziellinie.
Ich war total sauer und Uwe, der direkt dahinter war, macht ihm noch in der Auslaufrunde klar, dass er unter Gelb überholt hat. Ich legte Protest ein und hatte sogar einen Zeugen. Leider gab es von dem Manöver keinen Video-Beweis. Folglich wurde der Protest abgelehnt.
Wütend und enttäuscht machte ich mich auf den Weg ins Fahrerlager und spülte den Ärger mit einem Porter-Bier herunter.
Es ist ja noch nicht aller Tage Abend und in Hockenheim sieht man sich Ende August 2011 wieder. Da gibt es dann die passende Antwort auf der Strecke, aber mit fairen, sportlichen Mitteln!
